Praktischer Kommentar zur Biblischen Geschichte (Teil 7): Vermehrung und Verschlimmerung der Menschen

Nach  Teil 6 (Kain und Abel) folgt hier der Teil 7 aus dem “Praktischen Kommentar zur Biblischen Geschichte” (1913) von Dr. Friedrich Justus Knecht.

Vermehrung und Verschlimmerung der Menschen (Gen 5-7)

Hier wird erzählt, dass sich die Menschen vermehrt haben, d. h. dass es immer mehr Menschen auf Erden gegeben hat, dass sie sich aber auch verschlimmert haben, d.h. dass sie immer schlimmer und boshafter geworden sind.

Erzählung und Erklärung

An Stelle Abels schenkte Gott dem Adam einen andern Sohn1 namens Seth. Noch viele andere Söhne und Töchter bekam Adam. Allen verkündigte er die Verheißung, welche Gott ihm gegeben hatte2. Die ganze Zeit, welche Adam lebte, war 930 Jahre, und er starb. Auch seine nächsten Nachkommen erreichten ein hohes Alter, Methusalem lebte sogar 969 Jahre.

Immer größer wurde die Zahl der Menschen. Die einen lebten als Hirten und Ackersleute, die andern bauten Städte und trieben Künste3.

Die Nachkommen des frommen Seth waren gottesfürchtig, die Nachkommen Kains dagegen wandten sich ab von Gott4. So gab es bald zweierlei Menschen auf Erden: Kinder Gottes und Kinder der Menschen.

Unter den Kindern Gottes tat sich besonders Henoch hervor5 Er wandelte mit Gott6 und predigte Buße7. Um seines Glaubens willen8 gefiel er dem Herrn, und er wurde von der Erde hinweggenommen, ohne den Tod zu sehen9.

Nach und nach ließen sich die Kinder Gottes von den Kindern der Menschen verführen, und die Gottlosigkeit wurde allgemein. Da sprach Gott: „Die Menschen werden nicht mehr lange leben, denn sie sind voll böser Lust. Ihre Tage sollen noch 120 Jahre sein“10.

Doch gab er ihnen eine lange Gnadenfrist, indem er ihnen noch 120 Jahre Zeit zur Buße und Besserung gewährte.

Auslegung

Heiligkeit Gottes. Weil Gott heilig ist, hatte er Wohlgefallen am gerechten Henoch und Abscheu vor dem Sündenleben der Weltkinder.

Langmut (4911) und Gerechtigkeit Gottes. Obwohl alle Menschen (ausgenommen Noah und seine Familie) gottlos nnd lasterhaft waren, so ließ ihnen Gott doch noch 120 Jahre Zeit zur Buße, bevor er das Strafgericht seiner Gerechtigkeit über sie ergehen ließ. Deshalb schreibt der hl. Petrus (1 Petr 3, 20): »Gottes Langmut wartete in den Tagen Noahs.« Gute Menschen klagen oft: Warum duldet Gott so lange die Ungerechtigkeit nnd Gottlosigkeit? Warum straft er nicht die frechen Sünder? Ihr wisst, warum; weil er — wie ist? Ja, Gott ist langmütig, weil er ewig ist; er kann warten, aber die Strafe trifft einmal ein, wenn nicht immer auf Erden, doch sicher in der andern Welt. Findet schon in diesem Leben die vollkommene Vergeltung statt? (* 44.12)

Die vier letzten Dinge. Die Altväter und Patriarchen lebten sehr lange, aber zuletzt mussten sie sterben. Von jedem (Henoch ausgenommen) heißt es: Er lebte so und so viele – 912 (Seth) oder 905 (Enoch) oder 777 (Lamech) etc. – Jahre und er starb. So vollzog sich an ihnen das göttliche Urteil: »Staub bist du etc.« Und so geht es heute und bis zum Ende der Welt: Alle Menschen müssen sterben, – Weil sie Adams Sünde erben.

»Es ist dem Menschen bestimmt, einmal zu sterben, darauf folgt das Gericht« (Hebr 9, 27). Unser Letztes auf Erden (das Ende unsres Erdenlebens) ist der Tod. Welches sind die vier letzten Dinge des Menschen? (238.13)

Das Weltgericht hat schon Henoch vorhergesagt, indem er sprach: ,,Siehe, der Herr kommt mit seinen Tausenden von Heiligen, Gericht zu halten über alle und zu strafen die Gottlosen für alle Werke ihrer Gottlosigkeit, die sie verübt, und für alle Lästerungen, welche gottlose Sünder wider ihn ausgestoßen haben« (Jud 14 f). Siebter Glaubensartikel.

Gotteskinder und Weltkinder. Der Gegensatz zwischen Gotteskindern und Menschenkindern oder Weltkindern besteht auch heute noch fort und wird bestehen bleiben bis zum Ende der Welt. Die Kinder der Welt sind die, welche entweder keinen Glauben haben oder nicht nach dem Glauben, sondern nach den bösen Gelüsten ihres Herzens leben und ungescheut Gottes Gebote übertreten. Sie lieben nicht Gott über alles, sondern die Welt; sie streben nur nach Ehre, Vergnügen und Reichtum in diesem Leben und kümmern sich nicht um das ewige Leben. Welche sind nun die Kinder Gottes? Die, welche Gottes Willen tun, in Gottes Gnade und Liebe leben und nach dem Himmel streben. Als Christen sind wir alle Kinder Gottes, darum sollen wir auch als solche leben, d. h. den Willen unsres himmlischen Vaters erfüllen. Sind denn nicht auch wir Kinder Gottes? (106.14)

Das lange Leben der Altväter. Wie die Erde vor der Sündflut gar große Pflanzen und Tiere hervorbrachte, so waren auch die Menschen der Urzeit größer und stärker als die späteren Menschen. Dabei führten sie eine einfache und mäßige Lebensweise, deshalb erreichten sie ein hohes Alter. Dieses lange Leben der Altväter sollte nach Gottes Anordnung dazu dienen: 1. dass sie viele Kinder bekamen und dadurch das Menschengeschlecht sich vermehrte und ausbreitete;

2. dass durch das Beispiel und die Weisheit der ehrwürdigen Altväter, welche die Fürsten und die Priester ihrer Familien waren, die Nachkommen gut geleitet und erzogen würden;

3. dass durch sie (die Altväter) die Überlieferung der göttlichen Offenbarung (die Geschichte der Schöpfung, des Urzustandes und des Falles der Menschen, die Verheißung des Erlösers, die Geschichte Kains und Abels etc.) den späteren Geschlechtern rein und unverfälscht bewahrt würde. Adam selbst konnte seine Nachkommen in der wahren Religion unterrichten bis zu den Zeiten Lamech, welcher bei Adams Tod 56 Jahre alt war. Lamech war der Vater Noahs und starb, 777 Jahre alt, einige Jahre vor der Sündflut; er belehrte Noah (welcher 950 Jahre lebte) und Sem, den Sohn Noahs, und letzterer (welcher 600 Jahre alt wurde) unterwies seine Nachkommen bis zur Zeit Jakobs. Jakob teilte die göttliche Offenbarung seinen Nachkommen mit, zu denen Moses gehört. welcher die fünf ersten Bücher der Heiligen Schrift geschrieben und darin die Offenbarung Gottes von der Schöpfung an aufgezeichnet hat. Von Adam an bis auf Moses gab es noch keine Heilige Schrift, der Glaube wurde durch mündliche Überlieferung erhalten und verbreitet.

Pascal schreibt: »Sem, welcher Lamech, welcher Adam sah, hat auch Jakob gesehen, der wieder diejenigen sah, welche Moses gesehen haben. Demnach sind Sündflut und Schöpfung wahr…. Als die Schöpfung der Welt zurückzutreten anfing, hat Gott für einen Geschichtsschreiber (Moses) gesorgt und ein ganzes Volk zur Aufbewahrung dieses Buches gesetzt, damit diese Geschichte die allergewisseste der Welt wäre und damit alle Menschen die Sache, die so notwendig zu wissen ist, lernen könnten.“ – Worin ist das, was Gott geoffenbart hat, enthalten ? (9.15)

Anwendung

Du bist in der heiligen Taufe ein Gotteskind geworden. Hast du auch immer als solches gelebt? Hast du immer gern und andächtig gebetet und die Sünde gehasst? Denke oft an Gott den Herrn, der überall gegenwärtig ist und in dein Herz hineinschaut. Henoch hat so gern an Gott gedacht; wo er ging und was er tat, überall hatte er Gott vor Augen. So oft du heute die Uhr schlagen oder eine Glocke läuten hörst, denke an die Gegenwart Gottes und erwecke kurz Glauben, Hoffnung und Liebe!

Die Gotteskinder wurden verdorben, weil sie sich mit den gottlosen Weltkindern abgaben. Weil der Mensch zum Bösen geneigt ist, so ahmt er leicht das Beispiel der Bösen nach. ,,Böse Gesellschaft verdirbt gute Sitten“ Ein fauler Apfel steckt hundert gesunde an, aber die hundert gesunden machen den faulen nicht wieder gut. Bist du nie mit bösen Kameraden gegangen? Hüte dich in Zukunft vor schlechten Kameraden, sie sind keine guten Freunde, sondern Feinde deiner Seele! Gehe gern mit frommen und gottesfürchtigen Menschen um! »Mein Sohn, wenn dich die Sünder locken, so folge ihnen nichts« (Spr 1, 10.)

1nämlich einen solchen, der sich, wie Abel, durch Gerechtigkeit und Heiligkeit auszeichnete und deshalb ein Ersatz für Abel war. Seth wurde von Gott zum Träger der Verheißung – zum Patriarchen oder Stammvater des Volkes Gottes und weiterhin des Erlösers – erwählt. (Der Heiland stammt nach Lk 3,38 von Seth ab.)

2Welche? (Dass ein Erlöser kommen und den Teufel und die Sünde besiegen werde)

3d.h. Künste und Handwerke, z. B. die Baukunst, Steinhauerei, Schreinerei, Weberei, Schmiedekunst, machten Musikinstrumente (z. B. Flöten, Trompeten) etc.

4d.h. sie fragten nichts nach Gott und dienten ihm nicht. Sie kämpften nicht gegen die Sünde und den Satan, sondern folgten dessen Einflüsterungen und schlossen Freundschaft mit ihm. Sie werden »Kinder der Menschen« oder Kinder der Welt genannt im Gegensatz zu den den Nachkommen des frommen Seth, welche »Kinder Gottes“ heißen, weil sie Gott als ihren höchsten Herrn und Vater ehrten und liebten.

5d.h. er zeichnete sich aus durch Frömmigkeit und Tugend

6d.h. in Gemeinschaft mit Gott, indem er Gott vor Augen hatte, in inniger Liebe mit Gott verbunden war und nach dessen Wohlgefallen lebte. Er war der Heilige der Urzeit. Sein Eifer für die Ehre Gottes und seine aufrichtige Nächstenliebe trieben ihn an, die Sünder zu belehren, damit sie nicht ewig verloren gingen.e

7d.h. er predigte, dass die Sünder Buße tun (ihre Sünden bereuen und sich bessern) sollten, sonst würde ein großes Strafgericht (die Sündflut) über sie hereinkommen

8d. h. wegen seines lebendigen, in Liebe tätigen Glaubens.

9d. h. er starb nicht, sondern wurde mit Leib und Seele von der Erde hinweggenommen (entrückt), wie später der Prophet Elias, welcher ebenfalls ein heiliger Busprediger war.

10Im Laufe der Jahrhunderte machten die Gotteskinder mit den Menschenkindern Freundschaft, schlossen Ehebündnisse mit ihnen und ließen sich von ihnen in ihre leichtfertige und gottvergessene Lebensweise hineinziehen, so dass die Sittenlosigkeit und infolge davon die Gottlosigkeit immer mehr zunahm und zuletzt allgemein wurde. Nun beschloss Gott, die Menschen, welche ganz fleischlich gesinnt waren und ungescheut nach ihren bösen Gelüsten lebten, zu vertilgen.

11Kat. Nr. 49: Gott ist langmütig heißt: Gott wartet oft lange mit seiner Strafe, um den Sündern Zeit zur Buße zu lassen.
„Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig und von großer Erbarmung.“ (Ps. 102,8)
Die Langmut Gottes darf uns aber nicht veranlassen, die Buße zu verschieben. „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!“ (Ps. 94,8)

12Kat. Nr. *44: Die vollkommene Vergeltung findet erst in der Ewigkeit statt; doch ist auch schon in diesem Leben kein Gottloser wahrhaft glücklich und kein Gerechter wahrhaft unglücklich.
Der reiche Prasser und der arme Lazarus, Aman, Tobias.

13Kat. Nr. 238: Die vier letzten Dinge des Menschen sind: Tod, Gericht, Himmel und Hölle.
Zuletzt wird Gott auch den Fluch von der übrigen Schöpfung nehmen und sie teilnehmen lassen an der Herrlichkeit der Kinder Gottes.
„Selbst das Geschöpf wird von der Dienstbarkeit der Verderbtheit befreit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21) „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde.“ (Off 21,1)

14Kat. Nr. 106: Wir sind zwar Kinder Gottes, aber nur aus Gnade angenommene Kinder.
„Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden.“ (Joh 1,12)

15Kat. Nr. 9: Was Gott geoffenbart hat, ist enthalten in der Heiligen Schrift oder Bibel und in der Erblehre oder Überlieferung (Tradition).

Fortsetzung siehe Teil 8 (Die Sündflut (Sintflut))

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2 Gedanken zu “Praktischer Kommentar zur Biblischen Geschichte (Teil 7): Vermehrung und Verschlimmerung der Menschen

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