Kirchengeschichte: Gründung und erste Wirksamkeit der Kirche

Heute startet eine neue Serie über Kirchengeschichte, nämlich mit dem hervorragenden Buch „Geschichte der Kirche Christi“ von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag).

Das erstes Kapitel lautet „Gründung und erste Wirksamkeit der Kirche“:

Der fremde Jude, der in jenem Jahr, wie er es zu Ostern getan, auch zur Feier seines Pfingstfestes nach Jerusalem kam und gelegentlich danach fragte, wie die Geschichte mit Jesus von Nazareth ausgegangen und ob jetzt Ruhe sei, erfuhr, es sei alles still geworden. Einige Wochen lang habe man noch von ihm gehört. Seine Jünger hätten die Nachricht verbreitet, er sei leibhaftig auferstanden und sie seien öfter mit ihm zusammengekommen. Zum letzten Male sollte das auf dem Ölberge gewesen sein. Jetzt sei es schon über eine Woche grabesstill, man höre nichts mehr von ihm und sehe auch wenig von seinen Anhängern; die Geschichte sei jedenfalls aus — Jesus sei tot.

Als aber am Pfingstmorgen die Juden zu Hunderten dem unerklärlichen  Sturmesbrausen nachgingen, von einer Straße zur anderen bis vor das Haus, aus dem eben die Apostel traten; als sie nun hörten, wie diese einfachen Männer sie anredeten, einen jeden in seiner eigenen Sprache, als  in der sich drängenden Menge das große Rätselraten einsetzte, was für ein sonderbares Geschehen das sei; als dann Petrus siegesgewiß über die Leute  hinrief: „Das ist der Heilige Geist“, und in der Kraft dieses Heiligen Geistes den fragenden Augen und den pochenden Herzen verkündete: „Gott hat Jesus auferweckt, dessen sind wir Zeugen“ – da fuhr Jerusalem ganz  überrascht auf; schnell und hell wie ein Blitz leuchtete es vor ihm auf, daß Jesus keineswegs tot war. Hatte es gemeint, es sei mit Jesus Ruhe, so kam es jetzt gar nicht mehr zur Ruhe vor Jesus. Die dreitausend Menschen, die noch am gleichen Tage getauft wurden, redeten täglich mit dreitausend Zungen von Jesus und noch mitten im Reden über die wunderbaren Geschehnisse von gestern hörten sie das neue Wunder von heute.

Petrus und Johannes nämlich hatten nachmittags um drei Uhr bei ihrem Gang zum Tempel den vierzigjährigen Mann gesehen, der von Geburt an lahm war und zum Betteln an der Pforte saß. „Silber und Gold habe ich nicht“, so hatte Petrus zu ihm gesagt; „aber was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazareners, stehe auf und wandle!“ Da war der Lahmgeborene aufgesprungen und den Aposteln nicht mehr von der Seite gewichen — alles Volk ging ihnen nach und am nämlichen Abend noch wußte man, daß in Jerusalem fünftausend Christen waren (Apg 3, 4).

Darüber wurde der Hohe Rat ganz ratlos. Alle Mittel hatte er angewendet, alle Schleichwege war er gegangen, um Jesus zu vernichten und seinen Namen aus dem Gedächtnis der Menschen auszulöschen — und jetzt? — Was machen?

Das Nächstliegende: die Apostel wurden gefangen genommen und verhört. Am Schluß des Verhörs waren die Ältesten und Schriftgelehrten so klug wie zuvor und fragten einander: „Was sollen wir mit diesen Menschen anfangen? — Wir wollen sie scharf bedrohen, daß sie zu keinem Menschen weiter in diesem Namen reden“ (Apg 4, 16 f).

Vergebens! Die Drohung prallte ab wie ein kindisch Menschenwort an Gottes ewigen Felsen. Der Hohe Rat war starr. Die Getauften aber glühten vor Begeisterung und warfen den heiligen Feuerbrand durch alle Straßen, wo immer eine Tür offen stand.

Aber mitten in ihrem Siegeslauf hielten sie plötzlich den Fuß an und zitterten. Zwei von den Neugetauften hatten den Apostelfürsten belogen, die Gemeinde belogen, den Heiligen Geist zu belügen versucht. Als Petrus dem Lügner Ananias seine Sünde vorhielt, stürzte der Unselige um und war tot. Drei Stunden später kam seine Frau und spann an demselben Lügengewebe weiter. Der Apostel zerriß ihr sündhaftes Gespinst und — sie stürzte um und war tot. Ein Schauer überflog da Jerusalem und in tiefer Ehrfurcht beugte sich die junge Christenheit vor den Aposteln. Über deren Haupt lag eine unsichtbare Herrlichkeit. Davon angezogen strömte auch das Volk der umliegenden Städte herbei, trug seine Kranken zur wunderbaren Heilung in den Schatten der Apostel und die Zahl der Christen wuchs von Tag zu Tag (Apg 5, 14 ff).

Betroffen schnellte der Hohepriester auf, griff zu, ließ die Apostel verhaften und in das Gefängnis werfen.

Am nächsten Morgen war das Gefängnis leer. Ein Engel des Herrn hatte das Tor geöffnet und schon standen die Apostel wieder im Tempel und predigten von Jesus. Und schon stand auch der Tempelhauptmann vor ihnen und führte sie ein zweites Mal vor den Hohen Rat. Fast wären sie jegt getötet worden; aber ein tiefer und weiter denkender Pharisäer, der hochangesehene Gamaliel, erhob dagegen Einspruch und meinte, es werde sich schon zeigen, ob das Gotteswerk oder Menschenwerk sei. Gegeißelt wurden sie freilich und danach streng angewiesen, ja nicht mehr im Namen Jesu zu reden. Als sie weggingen, schritten sie einher wie Triumphatoren, geradeaus in den Tempel, und im Tempel, und wo immer sie hinkamen — das erste und das legte Wort war Jesus.

Geheimnisvoll ging Jesus durch Jerusalem. Durch die Kraft des Heiligen Geistes war er gleichsam zum zweiten Mal Mensch geworden. Wie sagt doch der heilige Paulus? „Die ganze Kirche ist Christi Leib“ (Eph 1, 22 f). Der geheimnisvolle Leib, den er jetzt angenommen hatte, das war seine gläubige, tapfere Christenschar. Durch sie redete er, durch ihre Hand wirkte er seine Wunder, mit ihrem Fuß ging er den verlorenen Menschen nach, mit ihrem Herzen liebte er, in ihren Händen lag seine Führung, sein Segen und seine Strafe, in ihren Gliedern litt er, wenn man so sagen darf. Ja, sicher muß man sagen und immer wieder sagen: so gewiß Jesus gelitten hat, so gewiß muß auch seine Kirche leiden und der katholische Christ würde wenig von seiner Kirche verstehen, der glauben wollte, der Kirche Christi könne es anders gehen als ihrem Meister, der darüber den Mut verlieren wollte, wenn er seine Kirche leiden sieht und ihr Leid vielleicht im eigenen Leben fühlt.

Weil die Christen aber der geheimnisvolle Leib Christi waren, darum waren sie, wenn auch viele Glieder, doch eine geschlossene, innere Einheit. „Die Gläubigen standen alle zusammen“, berichtet der heilige Lukas (Apg 2, 44); „sie waren ein Herz und eine Seele“ (Apg 4, 32).

Weil sie eins waren, darum halfen sie einander. „Sie hatten alles gemeinschaftlich, verkauften Hab und Gut und verteilten es unter alle, je nachdem einer bedürftig war“ (Apg 2, 44 f).

So einig, so hilfsbereit und aufopfernd konnten sie aber nur deswegen sein, weil sie Kinder Gottes waren und durch den Heiligen Geist und den Hochheiligen Leib des Herrn dazu gestärkt wurden. „Sie verharrten in der Gemeinschaft des Brotbrechens und im Gebet“ (Apg 2, 42).

„Darum waren sie auch so begeistert und zuversichtlich. „Mit großer Kraft“, heißt es, „gaben die Apostel Zeugnis von der Auferstehung Jesu Christi, unseres Herrn“ (Apg 4, 33) und „als die Gläubigen beteten, ward erschüttert der Ort, wo sie versammelt waren, und alle wurden mit dem Heiligen Geiste erfüllt und redeten das Wort Gottes mit Zuversicht“ (Apg 4, 31).

Wohl schlichen sich Schädlinge in den Leib Christi ein; aber sie wurden als Schädlinge empfunden, erlitten und entfernt. In der ersten Christengemeinde war Furcht und Zucht.

Kämpfen und Leiden, Beten und Lieben, Opfern und Helfen, Furcht haben und Zucht halten — so war es in der ersten Christengemeinde zu Jerusalem.

Also wurde und wuchs die junge Kirche Christi aus dem Erdenleben Jesu selber heraus und mit ihr wuchs Jesus in die Menschheit hinein, um das große Erlösungswerk, das er in seinem sichtbaren Erdenleib vollbracht hatte, in seinem geheimnisvollen Leibe, der Kirche, fortzusetzen und zu vollenden. Sankt Paulus sagt: „Gott hat Christus zum Haupt über die ganze Kirche gesetzt; sie ist sein Leib und die Vollendung dessen, der alles in allem vollendet“ (Eph 1, 22 f).

Kein anderes Bild und Gleichnis zeigt uns so deutlich, was die Kirche Christi ist, wie das Wort: „Die Kirche ist der Leib Christi.“ Das Leben Jesu wird damit Schlüssel zum Verständnis der Kirche und damit auch zum Verständnis ihrer Geschichte, ihrer natürlichen Schwäche und ihrer übernatürlichen Kraft, ihrer Verkennung von außen und ihrer Sicherheit im Innern, der Versager und Verräter im eigenen Kreis und der Bewunderung jenseits der Grenzen der Satansangriffe von unten und der Engelhilfe von oben, ihrer Menschlichkeit und ihrer Göttlichkeit, ihrer Wunden und ihrer Wunder, ihrer Kreuze und ihrer Palmen, ihrer Zeitlichkeit und ihrer Ewigkeit.

Fortsetzung folgt mit Kapitel „Der Kampf des Judentums gegen die Kirche„.

 

Ein Gedanke zu “Kirchengeschichte: Gründung und erste Wirksamkeit der Kirche

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