Kirchengeschichte: Die erste Missionsreise des heiligen Paulus

Nach dem Kapitel “Die Berufung des Saulus zur Heidenmission” gibt es heute das siebte Kapitel aus dem Buch “Geschichte der Kirche Christi” von DDr. Johannes Schuck aus dem Jahr 1938 (Echter Verlag):

Nachdem Paulus und Barnabas ihre Aufgabe in Jerusalem treulich erfüllt und die überbrachten Almosen ausgeteilt hatten, kehrten sie, von dem Evangelisten Markus begleitet, nach Antiochia zurück; es war um das Jahr 44 oder 45 nach Christus. In Antiochia wurde nun eine für die Ausbreitung des Christentums bedeutsame Handlung vorgenommen. Die Apostelgeschichte berichtet darüber: „Während sie dem Herrn den heiligen Dienst verrichteten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir Barnabas und Saulus für die Aufgabe aus, zu der ich sie berufen habe. Alsdann fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen“ (Apg 13, 2 f).

Wie man diese Stelle auch erklären mag, auf jeden Fall war die darin geschilderte heilige Handlung die Vorbereitung zur ersten großen Missionsreise des Völkerapostels und zwar eine Vorbereitung, die ersehen läßt, wie wichtig man die Missionsreise selbst nahm; mit Recht wichtig nahm. So wichtig waren die Missionsreisen des Völkerapostels, daß der Geschichtsschreiber bei ihnen bedächtig verweilen muß; er kann sich dabei glücklich preisen, über ihren Verlauf einen ausführlichen und unbedingt zuverlässigen Bericht zu haben.

Dieser vom heiligen Lukas in der Apostelgeschichte niedergelegte Bericht eröffnet uns einen tiefen Blick in die Verhältnisse der Urkirche und die Glaubensverkündigung der Apostel, in ihre Mühsale und Arbeiten, in ihre Erfolge und Freuden und in die wunderbare Gnadenhilfe; nicht zulegt einen überaus wertvollen Blick in die Seele des Völkerapostels. Wir gewinnen damit ein lebensvolles Bild der apostolischen Aufgabe und Hingabe, der apostolischen Größe und Heiligkeit. Wechselvolle Kämpfe und Aufregungen ohne Zahl ziehen da an unserem Auge vorüber, Kämpfe mit den Mächten der Natur und den Gehässigkeiten der Juden, Kämpfe mit dem Mißtrauen der Brüder und mit der eigenen menschlichen Schwäche – kurz ein Heldenleben, dessen Bild immergrüne Kränze trägt.

Auch die Christen in Antiochia waren sich dessen bewußt, daß jetzt der erste planmäßige, vom Heiligen Geist veranlaßte Vorstoß in die weite Welt unternommen werden sollte. In dieser Welt außerhalb Palästinas gab es wohl schon überall zerstreut auch Judengemeinden; aber im Gegensatz zum Mutterland Israels war die Welt außerhalb Palästinas doch die Welt der Heiden, und ihr Verlauf erwies schon gleich die erste Missionsreise als einen tiefen Vorstoß in diese Heidenwelt.

Den Angriff vorzutragen, dazu war, was die natürlichen Gaben betrifft, von allen Jüngern des Herrn keiner so geeignet wie der heilige Paulus. Keiner war so allseitig gebildet wie er. Er hatte die beste Schule der jüdischen Gesetzesgelehrsamkeit durchlaufen und kannte wie kein zweiter die jüdische Gedankenwelt und ihre Irrgänge. Er kannte aber auch die Weisheit der Griechen und wenn er auf Römer traf er hatte das römische Bürgerrecht. Wir wollen nun diesen ersten Vorstoß in die Heidenwelt verfolgen.

Von Antiochia reisten Paulus und Barnabas, auch jetzt noch von Markus begleitet, zur Hafenstadt Seleucia. Hier bestiegen sie ein Schiff und fuhren über das Meer nach der Insel Zypern. In der Stadt Salamis stiegen sie aus, gingen in die Synagoge der Juden, predigten da und durchzogen dann zu Fuß die Insel der ganzen Länge nach bis zur Stadt Paphos. Während über ihre Erfolge bis dahin nichts berichtet ist, wissen wir von einem großen Erfolg in der Stadt Paphos. Das Auftreten der Jünger Christi war nämlich schnell in der Stadt bekannt geworden und auch dem Statthalter Sergius Paulus zu Ohren gekommen. Der Statthalter war einer jener Heiden, denen die helfende Gnade Gottes Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit verliehen hatte; er ließ Paulus und Barnabas rufen, um sich von ihnen belehren zu lassen. Dabei kam es zu einem aufregenden Vorfall. In Paphos lebte ein Jude, Barjesu oder Elymas geheißen, der sich mit trügerischen Gaukeleien abgab und Sergius Paulus von dem Übertritt zum Christentum abzuhalten suchte. Aber vom Heiligen Geist erfüllt trat Paulus dem Juden unerschrocken gegenüber und warf ihn wie mit starker Hand aus dem Wege. Er sagte ihm die wirkliche Gesinnung seines bösen Heizens ins Gesicht und als himmlisches Zeugnis für seine Worte kündigte er ihm eine furchtbare Strafe an: blind sollte Elymas werden — eine Zeitlang blind werden. Und schon tastete der Jude mit den Armen in der Luft herum und suchte nach einer Hand, ihn zu führen. In dem Augenblick nun, in dem es vor den Füßen des Elymas finster geworden war, wurde es in der Seele des Statthalters strahlend hell. Sergius Paulus wurde ein Christ.

Jetzt war in Zypern das Werk getan. Schnell auf ein Schiff und über das Meer nach Norden, an die Küste von Pamphylien. Perge heißt der Hafen, in den sie einfuhren. Hier verließ Markus seine Gefährten und kehrte nach Jerusalem zurück, Paulus und Barnabas aber zogen immer predigend weiter nach Norden, nach Galatien, bis zur großen Stadt Antiochia, die zum Unterschied von dem Antiochia, woher die Apostel kamen, das pisidische Antiochia genannt wird. Auch hier ging es zuerst in die Synagoge, wo die Judengemeinde zum Gebet versammelt war. Das Erscheinen der Apostel erregte Aufsehen; man merkte, daß sie etwas zu sagen hatten. Daher traten nach der Verlesung der heiligen Bücher die Vorsteher der Synagoge auf Paulus und Barnabas zu und fragten sie, ob sie nicht ein Wort der Erbauung sprechen wollten. Was Paulus nun predigte war ein Abriß der Geschichte Israels und des Lebens Jesu, eine Tröstung und eine ernste Warnung, sich dem Glauben an Christus nicht zu verschließen. Die Predigt machte tiefen Eindruck, denn beim Verlassen der Synagoge wurden die Apostel gebeten, doch am nächsten Sabbat wieder zu kommen   und wieder zu predigen; ja, viele wollten von den Aposteln gar nicht mehr weichen und schlossen sich eng an sie an.

Am nächsten Sabbat aber kam eine unvorhergesehene Wendung. Fast die ganze Stadt war versammelt, darunter jedoch auch eine Schar Juden, die, eifersüchtig auf den Zustrom der Heiden und auf den Erfolg der Apostel, diesen widersprachen, so daß schließlich Paulus sagte: „Gut, zuerst mußte das Wort Gottes zu euch gesprochen werden; aber weil ihr nichts von uns wissen wollt, darum wenden wir uns jetzt zu den Heiden“ (Apg 13, 46). Er berief sich dafür auf eine Schriftstelle, mit der auch die aufsässigen Juden geschlagen waren, auf das Wort, das beim Propheten Jesajas der himmlische Vater zum Erlöser sagt: „Ich habe dich zum Licht der Heiden bestimmt, du sollst zum Heile dienen bis an die Grenzen der Erde“ (Jes 49, 6).

Darüber herrschte nun helle Freude bei den Heiden, in Antiochia und der ganzen Umgegend. Die Juden jedoch spannen ihre schwarzen Fäden weiter, streckten sich hinter bestimmte angesehene Kreise und brachten es fertig, daß Paulus und Barnabas aus dem Gebiet von Antiochia vertrieben wurden. Die Christen aber, die sie bekehrt und getauft hatten, blieben da und „waren voller Freude und voll des Heiligen Geistes“ (Apg 13, 52).

In Ikonium, wohin Paulus und Barnabas sich nun wandten, die nämliche Sache. In die Synagoge — viele Juden und viele Heiden werden Christen — Hetze und Haß gegen die Apostel — eine Spaltung, die einen für, die anderen gegen sie — Bedrohung — Flucht — und immer weiter. Der Same aber war gestreut und ging auf.

Rasch sind die Säleute in Lystra. Allein auf ihren Fersen auch die gehässigen Juden von Antiochia und Ikonium, sie schleppen Paulus zur Stadt hinaus — Steine fliegen nach ihm hin, bis er zusammenbricht und wie tot liegen bleibt. Als sich das aufgehetzte Judenvolk verzogen hat, schleichen sich die Jünger Christi herbei und umringen wehklagend den Apostel. Aber siehe da! Paulus ist ja gar nicht tot — er regt sich, er steht auf, dehnt sich und streckt sich — am andern Tage reist er mit Barnabas nach Derbe und geht hier unverdrossen und als ob nichts geschehen wäre, von neuem an sein heiliges Werk.

Wer die Karte betrachtet, denkt vielleicht: Jetzt reist Paulus in seine Heimat Tarsus und von da das Meer entlang nach Antiochia zurück, froh, den Nachstellungen der Juden entgangen zu sein. Aber was tut der Apostel? Unbekümmert um alles, was ihm zugefügt worden ist und vielleicht wiederum droht, macht er in Derbe kehrt und reist nach Lystra zurück. Er ist bloß um seine Christen bekümmert. Sie müssen gestärkt und gefestigt werden, sie müssen Priester und eine kirchliche Ordnung erhalten.  Darum zurück nach Lystra, zurück nach Ikonium, zurück nach dem pisidischen Antiochia, nach Perge und erst in Attalia auf das Schiff und heim nach Antiochia. Hier ein großes Freudenfest. Der heilige Lukas sagt: „Nach ihrer Ankunft versammelten sie die Gemeinde und berichteten, welch große Dinge Gott durch sie gewirkt und daß er den Heiden die Türe  des Glaubens geöffnet habe“ (Apg 14, 26).

Fortsetzung folgt im Kap. „Das Apostelkonzil„.

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