Wie kann man Gott lieben, wenn man ihn doch nicht sehen kann?

Kann man Gott sehen? Leider nicht.

Wie kann man dann sicher sein, dass es ihn gibt?

Und noch dazu wie können wir Gott lieben, wenn er doch unsichtbar für uns ist?

Dazu sagt Gregor der Große (ca. 540-604), Papst und Kirchenlehrer:

„Wie kann ich jemanden lieben, den ich nicht kenne?“ […] Wenn wir Gott auch nicht sehen können, so haben wir doch andere Möglichkeiten, unser geistiges Auge zu ihm zu erheben. Wenn es uns auch nicht möglich ist, ihn selbst zu sehen, so können wir ihn doch bereits jetzt in seinen Dienern wahrnehmen. Wenn wir feststellen, dass sie Wunder vollbringen, dürfen wir gewiss sein, dass Gott in ihnen wohnt […] Wenn die Sonne in all ihrer Pracht aufgeht, kann keiner von uns auf sie schauen; denn die Augen, die sich auf ihre Strahlen richten, werden geblendet. Wir sehen aber die Berge, die von ihr angestrahlt werden, und erkennen daran, dass sie aufgegangen ist. Da wir die Sonne der Gerechtigkeit nicht selber sehen können (Mal 3,20), so lasst uns doch die Berge anschauen, die von ihrem Licht erleuchtet sind, nämlich die heiligen Apostel, die durch ihre Tugenden leuchten, die durch ihre Wunder voller Leuchtkraft sind […] Die Kraft Gottes ist wie die Sonne am Himmel; die Sonnenstrahlen auf der Erde sind dann vergleichbar mit der Kraft Gottes, die in den Menschen wirkt. Die Voraussetzung aber, damit wir auf unserem irdischen Weg nicht straucheln, besteht darin, Gott und unseren Nächsten mit all unseren Kräften zu lieben (Mt 22,37f.) […] Deshalb wurde den Jüngern der Geist zweimal nacheinander gegeben: zuerst durch den Herrn auf Erden, danach durch den Herrn im Himmel (Joh 20,22; Apg 2,2). Der Geist ist uns auf Erden gegeben, damit wir unseren Nächsten lieben; vom Himmel ist er uns gegeben, damit wir Gott lieben. So können wir verstehen, was Johannes sagt: „[…] wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht“ (1 Joh 4,20). So wollen wir, meine Brüder, unseren Nächsten lieben, den, der uns nahe ist, um fähig zu sein, den zu lieben, der über uns ist […] und um in Gott vollkommene Freude zusammen mit diesem unserem Nächsten erleben zu dürfen. (Homilien über das Evangelium, Nr. 30; PL 76,1220, zitiert aus Evangelium Tag für Tag)

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